Aus dem Münstertal mit dem Geländewagen ins Karakorum

Nach 66.000 Kilometern durch Europa und Asien sind Theresa Riesterer und Matthias Zimmermann aus Münstertal zurück von zwei Jahren Reise mit ihrem zum Reisemobil umgebauten Geländewagen.

Artikel in der Badischen-Zeitung

Nach fast zwei Jahren und 66 000 Kilometern durch Europa und Asien sind Theresa Riesterer und Matthias Zimmermann aus Münstertal zurück von einer knapp zweijährigen Reise mit einem zum Reisemobil umgebauten Geländewagen. Im Gepäck: jede Menge Geschichten, Abenteuer, Fotos, Videos, Erinnerungen, Erfahrungen fürs Leben und drei Hunden, die sie als Welpen auf der Straße fanden.

Der Reisepass ist voller Stempel, 36 Länder haben die beiden bereist. Seit Mitte August sind sie wieder zuhause. Die Idee zur großen Reise entwickelten die beiden während eines einjährigen Auslandaufenthaltes in Australien. Zurück in Deutschland reifte dann der Plan, mit einem Auto Richtung Australien aufzubrechen. "Wir hatten Reiseluft geschnuppert und wollten diese Reise machen, solange wir jung und relativ ungebunden sind", sagt Theresa Riesterer, 28, die ein Betriebswirtschaftsstudium mit Schwerpunkt Tourismus absolviert hat und bei einer Tourismusorganisation arbeitete.

"Wir haben anschließend unsere Leben voll auf die Reise ausgerichtet und beide richtig rangeklotzt bei der Arbeit, um das Geld für die Reise zu verdienen", sagt Matthias Zimmermann, 32, der als selbständiger Feinwerkmechanikermeister arbeitet. Wie gut, dass er zugleich auch Hobbymechaniker ist und den 22 Jahren alten Toyota Landcruiser, den die beiden gekauft hatten, weltreisetauglich machen konnte. Hinter den Fahrersitzen entstand eine Liegefläche, darunter ein Schubladensystem für Küche, Kühlschrank, Kleider und Werkzeug, 80 Liter Trinkwasser und 260 Liter Diesel. Auf dem Dach zwei Ersatzräder, Ersatzteile, ein Solarpanel, und die ganze Ausrüstung, die für eine Reise in abgelegenste Gegenden notwendig war. Weil sie nicht auf eine warme Dusche verzichten wollten, entwickelte Matthias Zimmermann kurzerhand eine Heißwasseraufbereitung, die die Abwärme des Motors nutzt.

Die erste Etappe führte durch Osteuropa, über den Balkan bis in die Türkei. Hier holte die Reisenden der Winter ein, und kurzentschlossen ließen sie das Auto in der Südtürkei stehen und überwinterten in Südostasien. Thailand und Kambodscha bereisten sie mit Bus und Bahn. In Vietnam kauften sie sich einen Roller, mit dem sie auch Ecken des Landes fernab der Touristenströme entdecken konnten. Auf entlegenen Bergstraßen im Norden von Laos machten sie Bekanntschaft mit armen Bergbewohnern und riesigen Energie-Projekten der Chinesen. "Leider lernten wir hier auch die korrupte Polizei kennen, als uns in einem laotischen Dorf die Tasche mit Reisepässen, sämtlichen Papieren und vielen Wertsachen geklaut wurde. An diesem Punkt dachten wir, wir müssen die Reise unterbrechen und zurück nach Deutschland", berichtet Theresa Riesterer. Die Diebe aktivierten aber das GPS-Kommunikationsgerät, das auch in der Tasche war, und so konnten die Reisenden ihren Standort ermitteln und bekamen schlussendlich fast alle ihre Sachen und Papiere zurück.

Von der Türkei aus ging es weiter mit dem Auto nach Georgien, über Armenien und Aserbaidschan in den Iran. "Die Gastfreundschaft der Iraner ist unglaublich. Auf der Straße wird man überall begrüßt mit "Welcome to Iran". Die Iraner kennen das negative Image ihres Landes und tun alles, um es Ausländern gegenüber zu verbessern", sagt Zimmermann und betont, dass sie in allen muslimischen Ländern eine tolle Gastfreundschaft erlebt hätten, wie sie hier in Deutschland unbekannt sei. "Hoffentlich kommt keiner von denen hierher zu uns und muss erleben, wie wenig er willkommen ist, das habe ich ganz oft gedacht", sagt er.

Viele Nerven kostete der Grenzübertritt nach Pakistan. Auf der Strecke durch die Grenzregion in Pakistan nahe Afghanistan werden Ausländer von schwerbewaffneten Soldaten eskortiert und dürfen nur in bestimmten Hotels oder Polizeistationen übernachten. Entschädigung waren die vielen Einladungen der pakistanischen Bevölkerung sowie die atemberaubende Landschaft entlang des Karakorum Highways bis zur chinesischen Grenze.

"Weil wir immer alles auf eigene Faust erkunden, haben wir die "gefährlichste Straße der Welt", zum Fuße des 8126 Meter hohen Nanga Parbat in Pakistan genommen. Für uns war es definitiv die gefährlichste Strecke, die wir jemals gefahren sind und wenn wir gekonnt hätten, hätten wir garantiert unterwegs wieder umgedreht", erinnern sich die beiden.

Stundenlang könnten die Reisenden weiter berichten, so vieles haben sie erlebt. In Gedanken und Tagträumen schwingt es immer wieder nach. Beeindruckt hat sie die große Armut in vielen Teilen dieser Welt und die Zeitreise, die sie erlebt haben. "Die Menschen leben in einfachen Steinhäusern, Hütten, Jurten oder auf der Straße, bestellen ihre Äcker mit vom Ochsen, Esel, Pferd oder von Menschen gezogenen Pflügen und machen alle Arbeit auf den Feldern von Hand ohne jegliche Maschinen. Mein Großvater hat mir erzählt, dass die Bauern hier ähnlich gelebt haben", sagt Matthias Zimmermann, der auf dem Bauernhof "S 'Bure" in Münstertal aufgewachsen ist. "In Deutschland geht es uns extrem gut, viele Probleme werden unwichtig und klein im direkten Vergleich mit Menschen, die täglich um ihre Existenz kämpfen müssen", sagt Theresa Riesterer und betont, welch Privileg es sei, in einem wirtschaftlich und politisch stabilen Umfeld zu leben, das erlaube, seine Träume umzusetzen. Gerade beginnt ihr Leben wieder ganz bürgerlich zu werden, sie wohnen wieder in der kleinen Wohnung im Haus der Eltern in Obermünstertal, seit Anfang des Monats arbeitet Matthias Zimmermann wieder, bei seiner Partnerin stehen Bewerbungsgespräche an.