In der Mandarinen-Bucht (Teil 2)

 

2 Tage vorher.

 

Durch Zufall stießen wir, auf der Suche nach einem Schlafplatz beim Blick in die Karten, auf eine kleine Bucht mit Sandstrand, die nur durch einen gestrichelten Weg [Track] erreichbar ist.

Ah, sieht doch ruhig aus, keine Häuser in der Nähe.

Schnell hingefahren, entpuppte sich der Weg als noch viel gestrichelter als er in der Karte war. Brutal ging‘s über Felsen und Absätze steil den Berg runter. Wir hofften nur, dass nicht plötzlich Ende ist und wir rückwärts wieder hoch müssen

 

Um die letzte Kurve gebogen sahen wir einen hübschen Strand, eine kleine Hütte und einen alten LKW, der aussah als sei es das Lager von Aussteigern. Und die ganze Bucht war überhaupt, nur die Mündung einer langen, breiten und sehr tiefen Schlucht.

Eine Frau saß am Strand, packte hastig ein und verschwand als sie uns kommen sah.

Bei der Hütte, die gleich unten am Fuße des Wegs war, stand ein Allradler und zwei ältere Leutchen saßen auf der „Veranda“.

 

Wir fragten die Frau, die gebrochenes Englisch sprach ob wir wohl am Strand übernachten können.

„Yes no proplem, go in there and look for place.“

Sagte die Gute und zeigte auf ein Gebüsch, das sich erst auf den zweiten Blick als ein fast ganz zugewucherter Weg entpuppte.

Gut, gibt halt ein paar Kratzer mehr.

 

So kamen wir in die Manderinenbucht, von uns so genannt wegen den vielen schwer behangenen Bäumen mit eben dieser Zitrusfrucht.

Daneben gab es noch Orangen und Olivenbäume in üppigem Grün gelegen, was aussah als wäre es mal ein Campingplatz gewesen. Die ganzen Ruinen, Schilder und mit Steinen gelegten Abgrenzungen ließen darauf schließen. Alles war aber verwahrlost und zugewachsen.

Auch das vermeintliche Aussteiger-Camp zeigte sich als aufgegebenes Strand Café.

 

Hier gefiel es uns so gut das wir abends am Feuer beschlossen auf jeden Fall länger zu bleiben

Also verbrachten wir den kommenden Tag damit die Schlucht zu durchwandern oder besser zu durchklettern, im Meer zu baden und abzuhängen.

Wobei wir uns echt die ganze Zeit fragten warum von diesem Platz nichts im Reiseführer steht.

Allein für diese Schlucht hätten andere Länder ein Kassenhäuschen aufgestellt.

Auch redeten wir nochmal mit der Frau die uns erzählte, dass das Land ihr gehöre und tatsächlich mal ein Campingplatz war, bis die Regierung ihn nicht mehr genehmigen wollte. Jetzt leben sie drei Monate im Jahr hier und den Rest in ihrem Haus oben auf den Felsen.

 

Als wir später vom Schwimmen zurück kamen sahen wir einen silbernen PickUp den Weg, der übrigens den einzigen Zugang darstellte, herunterkommen. Vorne saßen zwei und auf der Ladefläche nochmal drei schwarz gekleidete Männer. Wovon sich drei sofort unter großem Gerufe und in aller Eile mit Schaufeln und bloßen Händen daran machten einen Zugang zum Strand zu schaffen, wobei sie ziemlich üppige Felsen und Steine aus dem Weg räumen mussten. Die zwei andern verschwanden bei der Hütte, wo jetzt ein ziemliches Palaver ausbrach das bis zu uns herüber drang.

Wir fragten uns nur warum die erst am Abend, kurz vor Einbruch der Dämmerung anfangen einen Landungsplatz, denn danach sah es aus, zu räumen. Werden wohl Fischer sein.

Einer der Typen lief immer mit dem Handy am Ohr aufgeregt zwischen Hütte und Strand hin und her.

Es schien als richteten sie den Platz für irgend jemand und warteten jetzt wohl die Ankunft des Bootes ab.

Nachdem das Werk vollbracht war, alle wieder aufgesessen und hundert Meter zurück, hielt der ganze Trupp bei den alten Beton-Bunkern die den Weg an mehreren Stellen säumten.

Hier wurde wieder abgesessen und abwechselnd verschwanden sie in den Bunkern und tauchten wieder auf.

 

Wir hatten das ganze Treiben während dem Feuermachen und Kochen aus ca. 100 Metern verfolgt und dachten, dass das Schauspiel jetzt vielleicht doch zu Ende sei, die Herrschaften sich auf getane Arbeit in die nächste Kneipe stürzen und morgen mit ‘nem Boot anrücken würden.

Gerade als es anfing Dunkel zu werden, hörten und kurz darauf sahen wir einen weißen Landrover Defender, nicht eben langsam, eskortiert von drei Mann mit einem im Vergleich zum Auto sehr großen und mindestens 7 Meter langen Schnellboot auf dem Trailer, den Weg herunter zu holpern. Unglaublich! Mit so einem Gespann!

 

Langsam dämmerte es auch uns, dass hier nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Da wir, wenn wir in fremden Ländern unterwegs sind, aber häufiger auf sich für uns merkwürdigen Beschäftigungen nachgehenden Menschen treffen, machen wir uns nicht viel daraus. Verhalten uns zurückhaltend und gaffen nicht.

 

In Rekordzeit wurde jetzt versucht das Boot ins Wasser zu lassen. Nach mehreren lautstarken, uns doch etwas amüsierenden Versuchen, das ganze mit dem Auto zu bewerkstelligen, wurde der Hänger samt Boot abgehängt und rollte nun zielstrebig mit 6 schreienden Männern „angehängt“ ganz von selbst, mehr oder minder nur noch von der Schwerkraft gelenkt, ins Wasser.

Für diese Nacht hatten wir zum letzten Mal was zu lachen gehabt.

Zu diesem Zeitpunkt wurde es jetzt langsam aber sicher Dunkel.

Nun war es noch einmal lebhaft, hin und her sahen wir die Stirnlampen rennen. Immer vom Rover zum Boot, das jetzt, ohne ein Positionslicht mit laufendem Motor, vor dem Strand im seichten Wasser lag.

Mehrmals hörten wir von der Hütte her gedämpft ein Knallen, es klang wie Schüsse.

Was soll das jetzt?

Da aber auf dem ganzen Balkan das Jagen und „Rumballern“ ein verbreiteter Sport zu sein scheint, dachten wir uns hierbei noch nicht viel.

Trotzdem, die Bedenken und Ängste stiegen

 

Ab etwa der gleichen Zeit wurden wir wie es schien überwacht, belauscht, was auch immer.

Drei Personen waren in unsere Richtung gekommen und blieben direkt hinter der Hecke stehen an der wir parkten. Erkennen konnten wir nichts. Nur Stimmen waren zu hören und geflüstertes Albanisch klingt nachts nicht halb so erbaulich, wie am Tag. Sie gaben sich nicht erst die Mühe unentdeckt zu bleiben und leuchteten ganz unverblümt durchs Gebüsch .

Um uns einzuschüchtern hätte es viel weniger bedurft.

Ab jetzt hielten wir uns ständig "Fluchtbereit". Bei der kleinsten weiteren Ungereimtheit wollten wir stiften gehen.

Nun kam auch der Rover in unsere Nähe, blieb mit laufendem Motor ebenso hinter der Hecke stehen und man hörte nur noch ein hohles Geräusch von Steinen die von Blech geräumt oder ein Schacht der geöffnet wird.

Wieder eilige Lichter.

Von der Hütte kam ein lauter Ruf herüber, worauf das Geflüster erstarb und sich unsere „Bewacher“ zurückzogen.

Das Boot entfernte sich langsam aus der Bucht, röhrte los als es offene See erreichte und war bald außer Hörweite.

Der Rover verschwand genauso, unbeleuchtet in vollkommener Dunkelheit.

Der Spuk war zu Ende.

 

Lange saßen wir noch, horchten in die Dunkelheit und überlegten was zu tun sei. Abhauen hätte Argwohn erregt und erstens wussten wir nicht ob doch noch jemand in der Nähe war, zweitens gab es ja nur die eine Zufahrt, die genau an der ganzen Aktion vorbei führte.

Nacht + Schnellboot + Hektik + Nähe zu Griechenland + die ganzen Umstände = ???

Wir zweifelten nicht mehr daran dass es Schmuggler gewesen waren.

Jedenfalls waren wir froh, dass „sie“ weg waren und es so an uns vorbei gegangen ist.

Sicher hatten wir uns schon lange nicht mehr gefühlt und schwere Bedenken lasteten noch, als wir ins Bett gingen.

Lange wollte der Schlaf nicht kommen.

Als er kam, sollte er nicht lange währen....

 

Wie diese Nacht zu Ende ging ist euch ja schon aus Teil 1 bekannt.

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